Was so alles möglich ist …

Bei der Renovierung von klassischen Wohnungen in einem Gründerzeitbau in Wien scheiterte bis heute so mancher kreative Geist: Zu sehr ist man in den Gegebenheiten verfangen und speziell in Wien von einem überbordenden Normenwahnsinn behindert. Dass das auch anders laufen kann, zeigt unser Beispiel aus Barcelona/Spanien.

Nur eine transluzente Glaswand trennt Schlafzimmer und Bad.

Die Architekten von Coma Arquitectura und Lucía Millet/CiertoEstudio hatten die Aufgabe, ein in die Jahre gekommenes Gästehaus, bestehend aus sieben Schlafzimmern auf 140 Quadratmetern in einem klassischen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert von Grund auf zu renovieren. Es sollte zwar eine komplett andere Atmosphäre entstehen, aber trotzdem sollten die Raumaufteilung und die normativen Grenzen nicht überschritten oder verändert werden. Der Raumeindruck sollte sich komplett ändern und deshalb beinhaltete das Konzept der Architekten und Planer eine zweite, die ursprüngliche Gestaltung überlagernde, Struktur. Diese reagiert auf die vorhandenen Elemente der Grundfläche und der Originalarchitektur, bietet aber unerwartete und überraschende visuelle Reize für die Unterbringung der Gäste.

Abgehängte Decke als sichtbares Gestaltungselement

Aufgrund des Umweltschutzes war – für die Funktion als Gästehaus – eine abgehängte Decke für diverse Installationen und Be/Entlüftungen notwendig geworden, was natürlich große Auswirkungen auf den Raum hat. Die Architekten benutzten nun dieses technische Element als Hauptmerkmal ihrer Intervention und ließen es als deutlich sichtbares Gestaltungselement durch die Räume fließen, sich um Ecken winden und immer wieder in Ausbuchtungen, Balken und Rosetten in Erscheinung treten. Die Wiederherstellung der alten Tischler- und Stuckarbeiten, Türen etc. und der Zementfliesenbeläge an den Böden lassen die originale Raumeinteilung wiedererkennen, gleichzeitig werden die Räume durch die zweite Struktur zusammengehalten und überlagert.

Hölzerne Schiebtüren erweitern manche Räume auf vorgelagerte Balkone.

Durchgehende Verfliesung unterstreicht optische Vergrößerung

Die Decke als neues Element ist dunkel gefärbt und ihr teilweise geöffnetes Inneres offenbart eine Reihe von bronzefarbenen Lichtöffnungen. Diese führen die Gäste und bieten optische Anhaltspunkte, Markierungen für Spiegel (Dreieck), Waschbecken und Eingangstüren (Kreis). Natürlich sind die wichtigsten Räume hier die Gästezimmer – für Kurzaufenthalte konzipiert, aber mit dem größtmöglichen Komfort ausgestattet. Die Integration der Bäder in das Schafzimmer ist einer der Schlüssel für die neue Atmosphäre trotz des beschränkten Raumangebotes. Die Entscheidung, die Trennwände zu den Nasszellen durch Glasscheiben in Kombination mit einfachen Vorhängen zu ersetzen, führt beide Raumvolumina zusammen und bewirkt einen Effekt der Vergrößerung. Das wird noch durch die chromatische Verbindung und teilweise durchgehende Verfliesung verstärkt und die abgehängte Decke verbindet dann alles zu einem Ganzen. Ein gelungenes Projekt, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Text: Peter Reischer
Fotos: Marta Vidal, Alfred Rodriguez Vila