Verjüngungskur

Ein altes Haus muss nicht alt bleiben, man kann auch einer Architektur Verjüngungskuren verordnen. Die spanischen Architekten Lys Villalba und Enrique Espinosa haben in Cercedilla/Spanien, einer kleinen Ortschaft 60 Kilometer von Madrid entfernt, diesen Prozess an einer Sommerresidenz aus den 70er Jahren ausprobiert. 

Aus Holz und Steinen errichtet, stand der Baukörper in typischer, ländlicher Chaletbauweise da, unansehnlich und traditionell. Heute ist es eine interessante Kombination aus alt und neu, ein Zubau wurde angefügt und sämtliche aus der Komplettrenovierung gewonnenen Materialien wiederverwendet.

Architektonischer Mix 

Die Architektur befindet sich in den Guadarrama Bergen und ist so konzipiert, dass sie in Schichten wachsen und sich weiterentwickeln kann. Der Entwurfs- und Bauprozess entspricht auch der demografischen Entwicklung der Gegend – hier ziehen in den letzten 10 Jahren immer mehr Stadtbewohner her, ohne jedoch ihre städtischen Domizile gänzlich aufzugeben. Also entsteht in der Gegend ein architektonischer Mix aus ländlich und urban. Dieser drückt sich in diesem Objekt konkret in einer Mischung aus Holz, Stein, Metall und keramischen Fassadenteilen aus, aufgepeppt wird das Ganze durch Designelemente der 70er Jahre und eine sehr eigenwillige Farbgebung. Ein alter Holzschuppen wurde abgerissen, das Dach verlängert, neue Außenwände mit entsprechender Wärmeisolierung errichtet und alle neu hinzugefügten Teile mit einer Keramikfassade verkleidet. 

Keramik markiert die neuen Bauteile

Zwei Bullaugenfenster durchbrechen die Keramikfassade (welche die neu hinzugefügten Teile markiert) und gewähren einen Blick in die Landschaft. Grünblau lackierte Eisenkonstruktionen tragen das Dach für die Erweiterung des Wohn/Essraumes, neue Wände sind aus Ziegeln – unverputzt und in grellen Farben einfach gestrichen. Im stehen gebliebenen Teil aus Holz und Steinmauern wurden die Fenster und Tüten erneuert und mit leuchtend roten Läden versehen. So bietet die Architektur für die Familie mit ihren drei Töchtern heute einen zeitgemäßen Komfort, ein sowohl modernes wie auch traditionelles Aussehen und fügt sich dennoch in die Umgebung ein. Und es kann weiter in Schichten wachsen und sich verändern, bis es wieder verjüngt werden muss.

Text: Peter Reischer

Fotos: Javier de Paz Garcia, José Hevia