Stacheldraht und Porzellan

Stärker könnten die Kontraste gar nicht sein: rostiger Stacheldraht und zerbrechliches Porzellangeschirr. Jede Intervention des Künstlers Glen Taylor weist auf die Unberührtheit, auch auf die delikate Qualität des Materials Porzellan hin.

Humorvolle, aber auch irritierende Objekte aus Porzellan und kontrastierenden
Materialien kreiert der Künstler Glen Martin Taylor.

Ausgehend vom japanischen Kintsugi, einer Handwerkskunst, bei der mit geschmolzenem Gold oder Kupfer ein zerbrochenes Porzellangefäß repariert und sogar aufgewertet wird, benutzt er ‚zerstörtes‘ Porzellangeschirr, um Gegensätze zu erzeugen.

Fehlendes, Kaputtes und Verlorenes wird betont, statt ersetzt oder repariert. Für den Künstler ist es aber auch ein Prozess der Befreiung, der psychischen Erneuerung und Heilung, indem er die alten Geschirrteile und Erbstücke seiner Vorfahren, sozusagen zu einem ‚second life‘ erweckt.

Er wird nicht nur im großmütterlichen Geschirrschrank fündig, sondern sucht auch gezielt bei Antiquitätenhändlern und Trödlern nach Teilen, die für ihn Nostalgie und Geschichte ausdrücken.

Es ist das Bewusstmachen einer Vergänglichkeit, eine Hommage an die Zeit und ihre Unabänderlichkeit, die sich in solchen, teils sehr humorvollen und ironischen Stücken ausdrückt. Nur zum Trinken und Essen sind sie nicht mehr geeignet.

Text: Peter Reischer, Fotos: Glen Taylor