PLATEAUSOHLE

Seit dem frühen 17. Jahrhundert wird in der Region Hasami, Bezirk Nagasaki, Japan, Keramik und Porzellan produziert. Die sogenannte Hasami-Keramik bezieht ihren Namen ebenfalls aus dieser Region. Der führende Produzent ist Maruhiro, dessen existierender Flagship Store kürzlich vom Designer Yusuke Seki runderneuert wurde.

Seki verwendete dafür architektonisches Know-how und handwerkliches Wissen aus der Bergbautradition. So entstand eine orts- und situationsspezifische Installation. Seki verstärkte das Erbe Hasamis indem er das Potenzial der Keramik für eine völlig neue Raumgestaltung benutzte. Konstruiert aus 25.000 Stück Gefäßen (eine Kooperation mit zahlreichen Manufakturen der Gegend) schuf er eine ‚aufgestapelte‘ Plattform, welche die Benutzerebene in die Höhe hebt und für Besucher wie Mitarbeiter eine neue Sicht des Raumflusses ergibt.

Jedes dieser keramischen Werkstücke, in Japan ‚Shinikiji‘ genannt, wurde nach dem ersten Brand (Rohbrand) als fehlerhaft von den Kontrolleuren ausgesondert. Als Teil einer neuen Wertschöpfung (Nachhaltigkeit!) belebte Seki diese Teile wieder, indem er sie mit Beton füllte und als neues architektonisches Material definierte.

Normalerweise – und bereits seit ca. 400 Jahren – werden diese Fehlstücke auf großen Halden abgelegt. Diese Areale stellen eine archäologische Fundgrube einer langen ‚industriellen‘ Tradition dar. Gesammelt und wiederverwendet sind diese Teile nun eine Referenz an die Geschichte und – zusammengefügt zur Plattform – inspirieren sie zu einem ganzheitlichen Respekt des kulturellen Erbes.

 

Text: Peter Reischer

Fotos: Takumi Ota