Männerträume und Fliesen

Der Titel soll absolut nicht sexistisch sein, aber Motorräder werden nun einmal größtenteils von Männern geliebt und gekauft. Aber kaum jemand weiß, dass die älteste Motorradproduktion der Welt aus Indien kommt und dass diese „Maschinen“ auch dort heute noch gebaut werden.

Der Titel soll absolut nicht sexistisch sein, aber Motorräder werden nun einmal größtenteils von Männern geliebt und gekauft. Aber kaum jemand weiß, dass die älteste Motorradproduktion der Welt aus Indien kommt und dass diese „Maschinen“ auch dort heute noch gebaut werden.

Die Royal Enfield (gegr. 1893, erstes Motorrad gebaut 1901) wird in Fabriken in Chennai in Indien hergestellt. Die bis heute in Indien produzierte Bullet 500 – ein klassischer Langhuber mit 22 bis 25 PS (16 bis 18 kW) – ist inzwischen eines der meistgebauten Motorräder der Welt. Royal Enfield hat sich nun vorgenommen, seine Ikonen des Motorradbaus und die globale Marke näher an die Kunden zu führen. Ein Schritt dazu ist die Einrichtung von Räumen und Treffpunkten für die Community der Interessierten und Fan, als Ausdruck des “Pure Motorcycling”. Als Fortsetzung eines sehr erfolgreichen Konzeptes für Retailshops wurde das indische Designstudio Lotus beauftragt, ein kleines Lokal für Spezialitäten der Küche Goa‘s (Bundesstaat in Indien) in das „Royal Enfield Garage Café“ zu transformieren. Dieser Ort ist nun ein Amalgam aus Verkaufslokal, Bar & Restaurant, Galerie, Werkstatt und Servicezentrum geworden. Der Designanspruch an Architektur und Inneneinrichtung war, die Werte der Marke abzubilden: Zeitlosigkeit, Handwerk und eine unverfälschte Liebe zum Motorrad(fahren).

Gustostückerl unterm Zinkdach

Die Architektur ist als eine Reihe, voneinander unabhängiger aber verbundener kleiner Gebäude auf einem Grundstück angelegt, jeder Teil erzählt seine eigene Geschichte. Der industriell wirkende Verkaufsladen mit seinem Zinkdach und den Innenwänden aus Lateritsteinen strahlt im typischen “Royal Enfield” grafitgrau und seine Glasfassade verbindet Traditionelles mit Handwerk in seiner besten Form. Eine im traditionellen portugiesischen Stil errichtete multifunktionelle Galerie erzählt die Story der Motorräder von der 1939 gebauten „Flying Fea“ bis zum original „Café Racer“ und anderen Gustostückerln aus der reichen Geschichte der Marke.

Fliesen auf der Fassade

Die Fassade des Gebäudes ist mit speziell beauftragten – auf einer Royal Enfield-Ikonografie basierenden und von Azulejos inspirierten – handgemalten Fliesen von Künstlern aus Goa verkleidet. Angeschlossen an diese eher traditionell/kulturellen Strukturen ist ein zweigeschossiger Raum unter einem traditionellen goa‘schen Dach. Flankierend zu dieser Architektur befindet sich an der rechten Seite ein State-of-the-Art-Servicezentrum mit einer Kundenzone für Maßanfertigungen und Sonderwünsche.

Text: Peter Reischer
Fotos: Andre J. Fanthome