Holistisches Architekturexperiment

Genau im Zentrum des antiken Rom, wo die römische Zivilisation entstand, wo Romulus und Remus gefunden wurden und sich der palatinische Hügel erhebt – genau dort befindet sich das neue Hotelprojekt „The Rooms of Rome“ von Jean Nouvel. 

Ausgesuchte Designstücke, mit spiegelnden Metallflächen kombiniert, ergeben ein exquisites Ganzes.

Passend zum Eindruck Roms als großes Museum, als ein Ort des Aufeinandertreffens von Geschichte und Leben, hat der Architekt 24 Hotelapartments im Palazzo Rhinoceros eingerichtet. Sie sind alle möbliert und in den unterschiedlichsten Größen (vom Studio bis zum Superior Apartment) und Ausführungen buchbar. 

Design und morbide Romantik 

Dieses „Rooms of Rome“ Projekt stellt ein neues Hotelkonzept in Herzen der italienischen Hauptstadt dar. Die Räume in dem historischen Palast bieten eine stark personalisierte Umgebung für Nutzer, die ein Faible für Design und eine gewisse morbide Romantik haben. Gäste können beim Buchen alles, vom Duft in den Räumen über die Polsterqualität und allfällige Wellnessbehandlungen auswählen. Der Palazzo Rhinoceros ist in diesem Fall das in eine Nussschale verpackte Universum und die Philosophie der Fondazione Alda Fendi – Esperimenti, einer Stiftung, die seit 2001 grenzüberschreitende, künstlerische Experimente ermöglicht und finanziert. Über Investitionssummen schweigt man hier nobel.

Fliesen, Spiegel und trompe l’oeil

Der Architekt Jean Nouvel entwarf für die Stiftung die Räume als einen absolut wegweisenden, innovativen Ort. Er plante sie nicht als traditionelle Wohnräume, sondern als öffenbare Stahlboxen, die in die historische Architektur eingebaut wurden. Sie öffnen sich als Umgebungen, Serviceräume, als Küchen, als Bäder oder WCs speziell für den Palazzo Rhinoceros, dessen neue kultivierte Modernität in einem starken Kontrast zu seinen alten Mauern steht. Nouvel hat die Inneneinrichtungen mit einer Auswahl polierter Möbel ausgestattet, die mit besonderen Oberflächen harmonieren. Spezielle Materialien sind in die Wände eingelassen und kontrastieren in ihrer Glätte mit den abgeschabten, freskoähnlichen alten Wänden. Die Bäder werden jeweils durch Stahlplatten abgeschlossen und in jedem Zimmer agiert ein wandhoher Spiegel als trompe l’oeil, er imaginiert den Blick in einen Raum, der gar nicht existiert. Es ist ein holistisches Architekturexperiment.

Über vier Geschoße verteilt, bietet jedes Apartment einen besonderen Ausblick auf die Ewige Stadt. Das fünfte und sechste Geschoß und die Dachterrasse beinhalten ein russisch inspiriertes Restaurant mit dem Namen „Caviar Kaspia Roma“ (was sonst!). Jedes Fenster der sich über die vier Geschoße erstreckenden Apartments bietet ein ständig wechselndes Panorama der Stadt, der Denkmäler des Forum Boarium mit dem Janusbogen, der Kirche Santa Maria in Cosmedin, usw. Keines der Apartments soll eine Nummerierung erhalten, stattdessen soll das Wort „Gedanke“ in 24 verschiedenen Sprachen, von Englisch bis Farsi zusammen mit Haiku-Gedichten in die Türen eingraviert werden. Das Vorübergehen der Zeit, die römische Geschichte, das Heute und eine niemals endende Bautätigkeit bestimmen den Geist der Räume in “The Rooms of Rome”.

Jean Nouvel ist ein französischer Architekt und Träger des Pritzker-Preises. Einer der wenigen Stars, der sich auch berechtigte Allüren leisten kann. Er ist ein Perfektionist, materialverliebt, manchmal starrköpfig aber ein immer kreativer, unkonventioneller Geist. Über das Projekt „The Rooms of Rome“ sagt er: „How would I describe this Project? A scandal.“

Fotos: Fondazione Alda Fendi – Esperimenti, Roland Halbe
Text: Peter Reischer