Hermès entdeckt die Fliese

Während der Milan Design Week präsentierte Hermès Maison seine neue Wohnkollektion nicht wie üblich auf einem Messestand, sondern in eigens für die Show entworfenen Räumen im Museo Della Permanente in Mailand.

Während der Milan Design Week präsentierte Hermès Maison seine neue Wohnkollektion nicht wie üblich auf einem Messestand, sondern in eigens für die Show entworfenen Räumen im Museo Della Permanente in Mailand. Die aktuelle Kollektion für das Zuhause enthält eine eklektische Objektlinie von Möbeln, Accessoires, Stoffen und Tapeten und man konnte sie in gefliesten architektonischen Räumen, gestaltet von Charlotte Macaux Perelman, der künstlerischen Leiterin von Hermès Maison, in Zusammenarbeit mit Alexis Fabry, erleben.

Sieben architektonische Strukturen, komplett bedeckt mit marokkanischen Zellij, einer kleinen, quadratischen Fliese aus glasiertem Ton sollten die Farben, Materialien und die Handwerkskunst sichtbar werden lassen. Die sieben monolithischen und einfarbigen Häuser boten den Besuchern ein eindringliches Erlebnis. Gekonnt illuminiert boten die Architekturen im Inneren dieser Häuser mittels kleiner Treppen und Podeste aus Fliesen den notwendigen Stellplatz um den Accessoires, Kleinmöbeln, Tüchern und Stoffen einen würdigen Rahmen zu geben. Die gefliesten Flächen boten, trotz der starken Farben, einen einheitlichen Hintergrund für die Präsentation. Man tauchte förmlich in Farbe ein, um die Kollektion zu entdecken und neue Raumdimensionen zu erfahren.

Glasierte Fliesenkunst

Zellij heißt diese Fliesenkunst aus glasiertem Terrakotta, die aus einzelnen Elementen (Girih-Fliesen) in Putzmörtel zu einem Mosaik zusammengesetzt werden. Es sind handgemachte natürliche Tonfliesen mit Ursprung im antiken mediterranen Raum und dem Nahen Osten. Sie stellen eine der Hauptcharakteristiken marokkanischer Architektur dar, finden sich aber auch in anderen maghrebinischen und sonstigen Ländern des islamischen Kulturkreises. Solche Fliesen werden von Hand aus unverfeinertem weißen Ton geformt, traditionell farbig glasiert und gebrannt. Jede dieser halbtransparenten marokkanischen Fliesen ist mit ihrer unregelmäßigen Oberfläche, die in Tiefe und Reflexion variiert, ein Unikat.

Text: Peter Reischer
Fotos: François Lacour