Geschichte in alten Mauern

Bei einem Besuch des ehemaligen Kapuzinerklosters in Gmunden kann man neben religiösen Kostbarkeitenauch Spuren der industriellen Vergangenheit einer der größten, österreichischen Produktionsfirmen entdecken, und zwar von Wienerberger.

Dieses Zeugnis ist in den alten Fliesenbelägen vor der Sakristei erhalten. Eine extra angefertigte, quadratische Fliese, gelegt in den Randstreifen bei einem geometrischen Gangmuster, verweist auf den damaligen Handelsvertreter der Firma. „Wienerberger Platten, Carl Pogatschnig – Vertreter in Linz“ ist dort zu lesen. Wienerberger produzierte am Standort der heutigen Zentrale am Wienerberg in der damaligen „Tonwarenfabrik“ bis Anfang der 1970er Jahre diese Bodenplatten. Für Handelspartner wurden spezielle Platten gefertigt, die diese bei großen Objekten mitliefern konnten – ein Beweis für die Wichtigkeit dieses Auftrages im Kloster. Noch bis in die 1980er Jahre hat Wienerberger in Österreich Handel mit Fliesen betrieben. Seitdem produzieren sie nur mehr Ziegel.

Zur Person von Carl Pogatschnig findet sich im Archiv des Landes Oberösterreich in einem alten Adressbuch dieser Beleg. (Foto: Allgemeines Wohnungs-, Handels- und Gewerbe-Adreßbuch der Städte Linz und Urfahr 1895 (1895) – OÖ Landesbibliothek-1)

Schade eigentlich, wenn man die Qualität und Farbigkeit der Bodenbeläge in Gmunden betrachtet. Lange Zeit fast in Vergessenheit geraten, erleben diese Fliesen derzeit eine Renaissance. Ihre warmen Farben, seidenmatt glänzenden Oberflächen und vor allem ihre heute wieder modern anmutenden Muster machen sie zu einem begehrten Bodenbelag. Manche Hersteller produzieren diese Fliesen statt aus Zement aus Feinsteinzeug bei etwa 1.200°C in einem speziellen Brennverfahren. Dabei erhalten die Farben jeder einzelnen Keramikfliese ein leicht unregelmäßiges Aussehen. Das sorgt insgesamt für ein lebendiges Erscheinungsbild, das fabrikneue Produkte nur selten erzielen. Also der berühmte „touch“ der Zeit.

Die Kirche des Klosters wurde in den Jahren von 1636 bis 1638 errichtet, Kaiser Ferdinand II. setzte sich persönlich für die Ansiedlung des Kapuzinerordens in Gmunden ein. 

Text + Fotos: Peter Reischer