Frank Gehry: „Every fucking Detail“

Es wäre keine Architektur von Frank Gehry, wenn nicht die für ihn typischen Strukturen, die in Flächen zersplitterten Kristalle, deren Äußeres bestimmten. So auch beim vor einigen Monaten eröffneten Tower für die Luma Foundation in Arles. 

Mit verspiegelten Metallplatten präsentiert sich der Tower der Luma Foundation in Arles.

Aus einer zylindrischen Glasbasis erhebt sich, wie ein erstarrtes Explosionsgebilde in Tausende glänzender Flächen zerteilt, ein Metallobjekt aus rostfreiem Stahl – eben typisch Gehry!

Ressourcen schonend und gleichzeitig innovativ 

Das Erwähnenswerte ist in diesem Fall nicht nur die architektonische Ausbildung, sondern auch Gehry‘s Bemühungen um Nachhaltigkeit – darum, Ressourcen schonend und gleichzeitig innovativ zu sein. Zusammen mit dem Atelier Luma hat man eine ganze Reihe neuer Produkte entwickelt und in der Konstruktion dieses Turmes verwendet, hauptsächlich im Inneren. Aus den Stängeln vertrockneter Sonnenblumen sind Akustikpaneele für die Bar entstanden. Die Liftlobbys sind mit Tausenden, aus lokal geerntetem Salz erzeugten Fliesen verkleidet und in den Toiletteanlagen erfreuen bunte, aus Algae-Algen produzierte Fliesen die Benutzer.

Reste der Stängel von Sonnenblumen ergeben Akustikpaneele.

Beitrag zur Verringerung des CO2 Fußabdruckes 

Diese Materialien sind vom Atelier Luma, einem ‘circular design lab‘ auf dem großen Luma Campus in Arles, entwickelt worden. Alle tragen zu einer Verringerung des CO2 Fußabdruckes der Architektur bei. Die Salzfliesen stammen aus den alten Salzabbaufeldern in dem nahe gelegenen Naturreservat der Camargue. Die Designer des Atelier Luma haben dafür eine Methode entwickelt, wie sie Salzkristalle auf Metallgittern unter Wasser in den Salzflächen des Rhonedeltas (seit der Antike wurde hier Salz gewonnen) wachsen lassen konnten. Dazu wird keine Energie benötigt, nur die Sonne und der Wind erzeugen diese Fliesen.

30.000 Algenfliesen

Algae wächst enorm schnell, verbraucht CO2 beim Wachsen und speichert es auch. Diese Algen haben die unterschiedlichsten Farben, zum Beispiel auch ein Pink, das den sich in den Marschgebieten der Camargue ernährenden Flamingos auch deren typische Rosafärbung verleiht. Im Tower finden sich 30.000 Stück aus Algae gepresste, verschieden färbige Fliesen in den Toilettezonen.

Nicht ausgeschöpftes Potenzial nutzen

Abgesehen von der Not- oder Nichtnotwendigkeit derartiger Projekte sieht man, dass in den meisten Kleinigkeiten der Architektur ein oft nicht ausgeschöpftes Potenzial steckt, um die Umwelt zu schonen, der Klimaveränderung entgegen zu wirken und trotzdem Erfreuliches zu schaffen. Als man den 92-jährigen Architekten nach der Umweltperformance seines Gebäudes fragte, antwortete er burschikos: „I respond to every fucking detail of the time we‘re in.“

Text: Peter Reischer
Fotos: Iwan Baan, Adrian Deweerdt, Marc Domage