Fokus Nachhaltigkeit

Langsam, sehr langsam setzt sich eine neue Haltung in der Architektur durch: Man baut nachhaltig, und zwar nicht nur nominell, indem man (gewissensberuhigende) Zertifikate verteilt, sondern auch real. 

Natürlich wird, wenn Architekten Holz und erneuerbare Materialien verwenden, nicht immer eine Hochglanzarchitektur mit enormer Bildmächtigkeit herauskommen, aber der Weg zu einer neuen Bescheidenheit und Einfachheit, zur Reduktion in architektonischen Ausdrucksweisen wird vielleicht langsam zu einem Umdenken auch in der Gesellschaft führen, weg vom üblichen Maximierungswahn.

Gesteigerte Präsenz…

Bei dem Neubau des Hallenbades in Stutensee hatten die 4a Architekten genau diese Aspekte im Fokus. Entstanden ist ein klarer Baukörper (ganz ohne parametrisches Design), der dennoch eine gewisse Erhabenheit ausstrahlt. Es ist ein gestalterisch überzeugendes und qualitativ hochwertiges Gebäude, dem auch eine lange Lebensdauer prognostiziert wird. Trotz seiner Schlichtheit herrscht im Innenraum eine leuchtend helle Atmosphäre, die auch eine maximale Aufenthaltsqualität für die Nutzer bietet.

In erhöhter Lage 

Aufgrund des hohen Grundwasserspiegels wurde der Neubau zwei Meter über Geländeniveau realisiert. Diese erhöhte Lage verleiht dem Baukörper im Außenraum eine gesteigerte Präsenz und sorgt ebenso im Innenraum für mehr Privatheit. Architektonisch gliedert sich das Hallenbad in zwei Raumvolumina, die sich sichtbar von außen abzeichnen. Die geräumige Badehalle umfasst ein Schwimmerbecken, ein Lehrschwimmbecken mit Rutschbahn sowie einen Kleinkindbereich mit insgesamt 368 m² Wasserfläche. Eine überdachte Terrasse nach Osten erweitert das Angebot im Außenbereich. Der nach Süden angrenzende Eingangs- und Umkleidebereich mit Dusch- und Nebenräumen setzt sich durch eine reduzierte Raumhöhe von der Badehalle ab. Dabei greifen die zwei Baukörper in Form und Materialität ineinander und verzahnen sich von außen durch ein umlaufendes Band der Stahlblechfassade.

Großzügig und einladend

Eine repräsentative Freitreppe aus Sichtbeton markiert die Eingangssituation und bietet Schülern in Form von Sitzgelegenheiten einen attraktiven Wartebereich im Freien. Die großzügige Verglasung des Gebäudes zur Straße wirkt einladend und bietet erste Einblicke in die Badehalle. Ein schmales, lang gestrecktes Fensterband durchbricht im Süden die silbergraue Stahlblechfassade und sorgt für angenehme Lichtverhältnisse in den Umkleideräumen.

Während Keller- und Erdgeschoss in Stahlbeton (Sichtbeton) ausgeführt sind, konnte die Tragstruktur für die weit gespannte Badehalle und den Umkleidebereich in Holzbauweise errichtet werden. Auch die abgehängten, akustisch wirksamen Lamellen-Decken und Wandverkleidungen sowie die gelochte Seekieferdecke im Umkleidetrakt sind in Holz ausgeführt. Holz bietet ein gesundes Raumklima, ist CO2-neutral und recyclingfähig und eignet sich darüber hinaus sehr gut, um die Raumakustik in Räumen mit schallharten Flächen wie Badehallen zu optimieren. Die Holzpaneele zwischen den Rippen der Decke und an der Wand prägen maßgeblich die Innenraumwirkung des Schwimmbades. Im Umkleide- und Eingangsbereich ist die tiefer liegende Holzrippendecke mit einer gelochten, weiß lasierten Akustikdecke aus Seekieferplatten verkleidet. Neben Holzdecke und Glasfassaden verleihen Sichtbeton, anthrazitfarbenes Feinsteinzeug, farbige Mosaikfliesen und farbig gestaltete Glasspinde dem Innenraum eine freundliche und warme Atmosphäre. Die ruhigen Materialien und frischen Farben sind bis ins Detail und fein aufeinander abgestimmt, so entsteht eine eigenständige Wirkung im Bad, die zugleich unaufgeregt natürlich anmutet. 

Text: Peter Reischer

Fotos: © David Matthiessen