Fliesen für die Finanzwelt

Broadgate ist ein 130.000 m² großer Campus und das größte Fußgänger dominierte Viertel in Central London: Hier treffen die unterschiedlichsten Menschengruppen wie Finanzer, Kreative, Publikum, Restaurantbesucher, Shopper, Freizeit- und Kulturbeflissene aufeinander. 

Fröhliche Erlebnisse in einer grauen Finanzwelt.

Das Gebiet liegt angrenzend an die Liverpoolstation und verbindet die auf Kreativität und Technik fokussierten Nachbarschaften Shoreditch, Spitalfields und Old Street. Bis zur Entwicklung von Canary Wharf in den frühen 90ern war es auch der größte Bürobezirk Londons.

Farbenfrohes Atoll

Wie ein Atoll und auch mit eben dieser Bezeichnung hat die Künstlerin/Designerin Morag Myerscough als Herzstück des kürzlich von den AHMM Architects renovierten, öffentlichen Bereiches 1 Finsbury Avenue Square (1FA) eine auffallende, farbenfrohe, 7,5 Meter hohe Installation errichtet. „Atoll“ stellt eine Art Leuchtturm oder Landmark dar, die die Nutzer dazu ermutigen soll, den neuen Durchgang von der Wilson Street durch das Gebäude in die Finsbury Avenue Square zu nehmen. Früher musste man zu Fuß um das ganze Bauwerk herumgehen, jetzt können Passanten quer hindurch abkürzen. Rund um das Atoll herum sollen in weiterer Folge eine ganze Reihe von Imbisstuben und Bars entstehen, ebenso Shops um die Attraktivität dieses Bereiches noch zu erhöhen. Die halb offene Gestaltung der Räume ermöglicht es auch den Büroangestellten, vom Mezzanin auf die grünen Pflanzungen hinab zu blicken.

Menschen suchen die Natur

Myerscough’s fundamentale Idee und Ausgangspunkt für das Atoll war, dass die Menschen in der Stadt eine angeborene Tendenz haben, etwas Grünes und die Natur zu suchen. Viele Projekte der Künstlerin beziehen sich darauf, wie Natur und Farbe den Menschen helfen können, ihr Wohlbefinden zu verbessern. Dabei geht sie von den viktorianischen Parks – in denen die Arbeiter sich an den Wochenenden erholen und frische Luft schnappen konnten – aus, die sie in ihrer Kindheit noch erleben konnte. Diese Vorstellung inspirierte sie zu der Idee, hier für das 1FA eine derartige Intervention zu entwerfen. 

Silhouetten imaginieren üppige Dachterrassen

Die untere Ebene des Atoll wird von einem Café okkupiert, während der obere Abschluss die Silhouette dreier Häuser mit üppigen, grünen Dachterrassen imaginiert. Die Hausformen sind eine Referenz an die Wohnbauten der Gegend und vermitteln das Gefühl von Intimität und Häuslichkeit. Sechs Stück Neonsonnen deuten auf Spaß, Freiraum und Erholung hin.

Die Materialität der dauerhaften Installation ist ebenfalls wichtig und narrativ: handgefertigte Fliesen und FSC-zertifiziertes Bootssperrholz. Die Entwicklung der Fliesen dauerte Monate – viktorianische Referenzen mussten mit eigenen Signalfarben und optischen 3D-Mustern kombiniert werden. Die bunten Muster kontrastieren stark mit der dunklen, bronzefarben anodisierten Verkleidung und der schwarzen Innenstruktur der sie umgebenden Architektur. 

Text: Peter Reischer
Fotos: Gareth Gardner