Eyecandy: Der Porzellan Salon

Vom 30. Jänner bis 28. September dieses Jahres war in der Fondazione Prada in Mailand eine Ausstellung geplant, die den historischen Kontext, den Umfang und den Einfluss des chinesischen Keramik- und Porzellanimportes auf Europa zeigt. Da durch die momentane Krise eine Zurschaustellung nicht möglich ist, geben wir Ihnen hier einen kleinen Einblick.

Das Herz der Ausstellung nennt sich „First Orders“ und stellt die größte Zusammenstellung von Ming-Porzellan mit europäischer Ikonografie aus dem frühen 16. bis Mitte 17. Jahrhundert dar. Foto: Fondazione Prada

Kuratiert von Jorge Welsh und Luísa Vinhais wurden mehr als 1.700 einzigartige Porzellanstücke vom 16. bis zum 19. Jahrhundert zusammengetragen. Verschiedenste Marken, Religionen und soziale Gruppen sind mit Exponaten vertreten. 

Keramischer Spürsinn der Chinesen 

Das Projekt gliedert sich in drei Sektionen und illustriert, wie effizient die Chinesen beim Aufspüren und Interpretieren verschiedenster Stilrichtungen und Marktsegmente waren. Sie haben ihre Produktionen genau auf die Nachfrage abgestimmt. Ohne eine Wertung zwischen Kunst, Handwerk, Design und Massenproduktion zu treffen, wären (ohne Corona) dem interessierten Publikum im Porzellanraum, im 4. Stock der Fondazione Prada die Höhepunkte des chinesischen Porzellanexportes und der feinsten Handwerkskunst zugänglich.

Auch das kann Porzellan. Foto: Fondazione Prada

Der erste globale Gebrauchsartikel 

Das Herz der Ausstellung nennt sich „First Orders“ und stellt die größte Zusammenstellung von Ming-Porzellan mit europäischer Ikonografie aus dem frühen 16. bis Mitte 17. Jahrhundert, die jemals gemeinsam zu sehen war, dar. Während der Ming-Dynastie wurde der Exportmarkt für die Chinesen sehr wichtig. Es begann mit der Seladonkeramik und dem blauen Unterglasurporzellan. Als man in Europa damit zu handeln begann, wurde es sehr schnell zum ersten globalen Gebrauchsartikel. „First Order“ nannte man die ersten Bestellungen, welche die Portugiesen nach ihrer Ankunft in China tätigten. Sie waren die Ersten, die chinesisches Porzellan mit einer europäischen Ikonografie importierten. Die Stücke sind sehr selten und nur 150 haben bis heute überlebt, 45 davon sind in der Schau zu sehen.

Das Projekt illustriert, wie effizient die Chinesen beim Aufspüren verschiedenster Stilrichtungen waren. Foto: Fondazione Prada

Einfluss der Exotik auf das Tischporzellan 

Der zweite Bereich besteht aus einer Selektion täglicher Gebrauchsgegenstände, als Interpretation natürlicher Formen von Tieren, Früchten und Gemüse. Hier wird der Einfluss der Exotik auf das chinesische Tischporzellan, bestimmt für den westlichen Markt, sichtbar. Um 1760 entworfen, sollten die Stücke die Gäste in den gut situierten Haushalten amüsieren. Der Ursprung dieser Formen waren meistens westliche Keramikmuster, die in Europa produziert worden waren.

Einfluss der Exotik auf das Tischporzellan. Foto: Fondazione Prada

Porzellanräume versetzen Gäste in fremde Kulturen

Der dritte und letzte Schritt ist eine Hommage an die Porzellansalons und großartigen Installationen, die in Palästen und aristokratischen Häusern des 17. und 18. Jahrhunderts ihre Berechtigung hatten. Die Schau zeigt hier die Objekte vor Spiegeln, lackierten Paneelen und poliertem Holz, referiert so an diese außergewöhnlichen Räume in ganz Europa. Einige dieser ikonischen Orte haben bis heute überlebt, wie die Decke des Santos Palastes in Lissabon und der Porzellanraum im Palais Charlottenburg in Berlin. In solchen Räumen wurden die Besucher in fremde Kulturen und Länder versetzt.

Foto: Fondazione Prada

Text: Peter Reischer