Ein würdiger Preisträger

Arata Isozaki ist 87 Jahre alt, weise und spricht selten. Er arbeitet mit Leidenschaft, um immer wieder neue Dinge – so nennt er seine Architekturen – zu kreieren. Ein Portrait von fioLB Redakteur Peter Reischer.

2014 hatte ich eine der seltenen Gelegenheiten, anlässlich der Architekturbiennale in Venedig ein kurzes Gespräch mit Arata Isozaki zu führen. Sein Konzept sei die Leere, formulierte er: „Wir haben Objekte und Objekte und dazwischen ist Raum, aber auch zwischen diesen Leerräumen ist Raum, in Japan nennt man dieses Konzept ‚Ma‘!“

Und genau für diese seine Philosophie der „Leere“ hat der japanische Ausnahmearchitekt Isozaki heuer den Pritzker Prize verliehen bekommen, so die Begründung der Jury. Seine Karriere begann er bei seinem japanischen Kollegen und ebenfalls Pritzker Prize-Träger Kenzo Tange 1954, nach seinem Studium an der University of Tokyo. Neun Jahre später gründete Arata Isozaki sein eigenes Büro und seitdem überzieht er die gesamte Erde mit einer Fülle von Bauten in den unterschiedlichsten Stilrichtungen. 

Früher als „Casa del Hombre“ bezeichnet, ist das Domus Museum in A Coruña/Spanien eine Zusammenarbeit von Isozaki mit César Portela. Auch hier ist die Außenseite mit 6.000 Schieferfliesen verkleidet, sein Inneres enthält eine Serie von Ausstellungsräumen, die miteinander über Rampen verbunden sind. Fotos: Hisao Suzuki

Unterschiedliche Stilrichtungen

Ursprünglich war Isozaki ein Hauptvertreter des Metabolismus, dann wandte er sich der Geometrie als Urmutter des japanischen Designs zu, später entdeckte er die Revolutionsarchitektur als quasi antibarocke Strömung innerhalb der klassizistischen Architektur. Seinen ursprünglich einfach gehaltenen geometrischen Kompositionen, wie dem Golfklub in Oita und dem Kunstmuseum in Gunma folgten vom Ruinen-Kult in den 1980er Jahre inspirierte, manieristische postmoderne Bauten.

en „Ceramic Park Mino“ mit dem Keramikmuseum errichtete Isozaki 2002 in Gifu, Japan. Hier hat er verschieden gefärbte Steinsorten für die äußere Begrenzung der Architektur und der dazugehörenden Gebäude gewählt, um die Vielfalt der in der Gegend gefundenen Tonsorten zu widerspiegeln. Und natürlich sind Töpfereiwaren, Fliesen und keramische Produkte ein wesentlicher Inhalt des Bauwerkes. Fotos: Hisao Suzuki

Die Bekanntschaften seiner dritten Frau, die Bildhauerin war, mit Künstlern wie Hans Richter, Man Ray oder Friedrich Kiesler beeinflussten ihn ebenso, wie seine frühe Auseinandersetzung mit den Tokioter Neo-Dadaisten und dem Brutalismus. In seiner Formensprache nimmt er später Ideen der Postmoderne oder der Wiener Sezession auf und verarbeitet sie zu einem eigenen Stil. Auffallend ist in seinen Architekturen das Spiel mit Schatten und Licht. Seine aktuellen Projekte könnte man als erfolgreiche Synthese eines vierzigjährigen Schaffens sehen.

Eines der interessantesten Projekte ist die Nara Centennial Hall in Japan, 1999 erbaut. Sie entstand aus dem Gewinn eines Wettbewerbes von 1992 und enthält optische Referenzen an das Dach des ebenfalls in Nana gelegenen Todaiji Tempels. Isozakis Konzept war eine gigantische Ellipse, die sich passgenau in das Grundstück einfügt. Die skulpturale Form schwingt sich sanft zum Dach hinauf. Obwohl sie abstrakt ist, bezieht sie sich doch durch ihre Kurve und die Schwere auf die monumentalen Dächer des 734 erbauten Heiligtums. Ihre äußere Hülle ist mit Zinkplatten und grauen Keramikfliesen verkleidet, ebenfalls ein Zitat der traditionell grau gedeckten Dächer von Todaiji und anderer imposanter Tempelstrukturen. Fotos: Hisao Suzuki
Dass er aber auch ganz anders kann, zeigt die Eingangsseite des Quatar National Convention Center in Doha und auch der Art Tower Mito, Japan. 

Fotos: Yasuhiro Ishimoto, Hisao Suzuki