Der Fliesenvorhang

Fliesen können auch als Vorhang und semitransparenter Schutz benutzt werden, das demonstriert Architekt Daniel Moreno Flores mit seinem Projekt in einem Vorort der Stadt Quito in Ecuador. Auf den ersten Blick wirkt die Architektur ein wenig wie eine aus Abfällen und diversen Baumaterialien zusammengebastelte Hütte eines Aussteigers…

Architekt Moreno Flores hat für einen Künstler mit alten Fliesen nicht nur dessen Studio verschönert, sondern auch einen sinnvollen Sicht- und Sonnenschutz geschaffen.

Aber dieser erste Blick täuscht gewaltig, die Lebensqualität in dem Bau ist enorm. Die auf Stahlkabeln aufgehängten Fliesen und das umgedrehte Dach sind nur einige der eigenartigen Charakteristika dieses Entwurfes, wenn auch die optisch Wirksamsten.

House of Flying Tiles 

Die Casa de las Tejas Voladoras oder „The House of Flying Tiles“ ist gerade letztes Jahr für den Grafiker Emilia Andrade fertiggestellt worden. Und das Haus bezieht seinen Namen natürlich von den Schutzschilden, die es an der Süd- und der Ostseite umgeben, genauso aber auch von den diversen vieleckigen, verfliesten Oberflächen in seiner Konstruktion. Wenn man sich nähert, bekommt man den Eindruck eines bestimmten Volumens, das durch – an einer Metallstruktur befestigte – an Stahlseilen aufgehängte, alte und neue Fliesen gebildet wird. Eine Öffnung in diesem Fliesenvorhang führt zum Haupteingang und in den kompakten, offen gestalteten Wohnbereich. Die trapezförmig gestaltete Form des Daches ist im Innenraum sichtbar und spürbar. Die geknickte Dachform leitet das Regenwasser in eine Art römisches Impluvium. Die senkrechten Wände unter dem Dach sind großteils Glasflächen, in einer Stahlkonstruktion gefasst.

Fliesen bieten Sichtschutz 

Dort, wo die vorgehängten Fliesen keinen Sichtschutz für die Bewohner bieten, sorgen abgehängte Bastmatten für Intimität und Privatsphäre. Das Naturlicht kann von allen Seiten eindringen und sorgt – zusammen mit den verwendeten Materialien Bast, Schilf und Holz – für eine freundliche, helle Stimmung. Eine einfache Holztreppe, die an einem Kabel herabgelassen werden kann, machen die oberen Ebenen (hier ist der Arbeitsbereich des Besitzers) und das Dach begehbar. Das Schlafzimmer ist leicht abgetrennt, darüber liegt eine Mezzaninebene, von der aus man einen Blick in die Küche und den Wohnbereich erhält. Auf 68 Quadratmeter findet sich so alles, was zum Leben notwendig ist. 

Das ganze Haus aus Recycle-Material

Die Architektur samt Inneneinrichtung wurde mit Abeto- und Eukalyptusholz errichtet, es wurde kein Holz geschlägert, sondern Balken von Abbruchhäusern in Quito benutzt. Auch am Baugrund blieben alle Bäume und Sträucher stehen, deshalb wirkt das Haus, als ob es immer schon in dieser Umgebung da gewesen sei.

Text: Peter Reischer, Fotos: JAG Studio