Das Bad in der Wanne: Ein Luxus?

Ein Loft, riesige Fenster mit Blick auf den Großstadtdschungel in der Nacht, eine frei stehende Badewanne, edle Armaturen, mit einem Wort: das Traumbad – findet man meist nur in Hochglanzmagazinen. 

Aber diese Publikationen können allemal als Inspirationsquelle dienen. Wir wollen hier ein paar Möglichkeiten aufzeigen, wie Architekten ungewöhnliche Bäder gestaltet haben. Denn auch mit weniger spektakulären Aussichten lassen sich sehr ansehnliche Ergebnisse erzielen – mit oder ohne Fliesen!

Bad im Wandel

Nicht nur hat in den vergangenen Jahren das Badezimmer eine erstaunliche Wandlung vom stiefmütterlich behandelten Kämmerlein zum Wellnessbetonten Vorzeigeobjekt gemacht – in einer individualistischen Gesellschaft muss dieser Wohnbereich mit seinen zentralen Funktionen immer mehr Bedürfnissen entsprechen. Barrierefreier Zugang für alle ist ein absolutes MUSS. Die alleinstehende Badewanne in Retro-Optik, wie wir sie aus alten Bildern und Geschichten kennen, hat sich mittlerweile zu einer erschwinglichen Anschaffung gemausert. Immer mehr Firmen bieten diese ‚Möbel‘ für den Einbau in das persönliche Wohlfühlambiente an. 

Blickfang: Wanne aus Stein

Zum Beispiel haben die tschechischen Architekten vom Studio Formafatal/Tschechien in Costa Rica eine Villa errichtet, welche – direkt über dem Strand Playa Hermosa liegend – (fast) alle Wünsche an ein Traumbad erfüllt. Die Inspiration für das Design fanden sie beim brasilianischen Architekten Paulo Mendez da Rocha. Im Bad (und auch sonst) sind die Stahlbetonstrukturen und Oberflächen der Wände roh belassen. Im Schlafbereich und im Bad finden sich ornamentale Zementfliesen, sie wurden im Nachbarland Nicaragua nach Auftrag von Hand produziert. Die ständig wechselnden Muster reflektieren die Einzigartigkeit der umgebenden Natur in jedem Moment. Mittelpunkt und Blickfang ist eine steinerne Wanne, auf einem Holzrost stehend. 

Foto: boysplaynice

Innen- und Außenraum verschmelzen 

Auf demselben Grundstück in Costa Rica, in unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich eine weitere von denselben Architekten geplante Villa. Sie ist minimalistischer gestaltet und das drückt sich auch in der Atmosphäre des Badezimmers aus. Betonflächen sind glatt gespachtelt und in dunklen Tönen gehalten. Wieder zieren Zementfliesen den Boden und vor einer raumhohen Glaswand mit Blick in die Natur steht eine Wanne aus weißem Porzellanemaille. Innen- und Außenraum verschmelzen hier zu einer Einheit. 

Foto: boysplaynice

Außergewöhnlich und zeitgemäß

Springen wir nach Tschechien, dem Heimatland der gerade erwähnten Architekten. Hier zeigt sich, dass in unserem Nachbarland eine hohe Dichte an außergewöhnlicher Kreativität herrscht. Das Büro ORA hat in Jevíčko einen Altbau revitalisiert, zu einer zeitgemäßen Wohnstätte umgebaut, und dabei auch ein außergewöhnliches Badambiente geschaffen. Hellblaue Mosaikfliesen an den Wänden kontrastieren mit der (durch die Fenster sichtbaren) alten Ziegelstruktur, eine frei stehende Badewanne und zwei Aufsatzwaschbecken auf einem Holzgestell bringen die nötige Großzügigkeit. 

Foto: boysplaynice

Verspiegelte Edelstahlbadewanne 

Ein durchaus extravagantes und sicherlich gewöhnungsbedürftiges Bad stammt vom Atelier Dialect für ein Apartment in Antwerpen. Hier haben sich die Designer vom Grün des Polyurethanschaums inspirieren lassen und grüne Wände mit weißen Fliesen und einer verspiegelten Edelstahlbadewanne kombiniert.

Foto: Piet-Albert Goethals

Dramatik und Purismus 

In der Slowakei setzte der Architekt Martin Skoček auf Dramatik und Purismus. Mittelpunkt in dem kapellenähnlichen, eher schmalen Raum mit hölzernem Giebel, Oberlichten und Ziegelmauern ist eine frei stehende, weiße Badewanne – sonst nichts. 

Foto: Skocek

Wanne mit Aussicht

Auch in den Bergen kann man stilvoll baden. Bewiesen hat dies das modostudio in Laives in der Nähe von Bozen. Die Architektur bietet einen prachtvollen Panoramaausblick über das Tal und die Weinberge. Um dieser Umgebung einen ihr entsprechenden Rahmen zu geben, sind alle Außenwände des Bades aus raumhohen Glasscheiben. Grundstrukturen sind Holz und Stahl, der Boden ist mit regional gewonnenen Steinplatten gelegt.

Foto: Laura Egger photographer

Freistehende Wanne im Altbau

Auch in klassischen Räumen, wie in Altbauten mit Füllungstüren und Parkettböden lassen sich Badewannen frei stehend unterbringen. Natürlich mit den entsprechend farblich abgestimmten Accessoires wie zum Beispiel Badevorlegern und Textilien.

Foto: Habidecor

Keine Funktionsräume mit Wasseranschluss!

Diese und unzählige andere Beispiele zeigen, dass den Möglichkeiten beim Verwirklichen von Badträumen keine Grenzen gesetzt sind. Einige dieser hier gezeigten Bäder beweisen auch, dass es keine finanziellen Grenzen, sondern Grenzen der Kreativität sind, die uns immer noch in kleinen ‚Funktionsräumen mit Wasseranschluss‘ verweilen lassen.

Text: Peter Reischer