Antinomie zur Fliese

Eine Fliese ist orthogonal, wasserfest, oft farbig und: undurchsichtig! Das ändert sich nun, denn die Boden- und Wandfliesen Basis Rho vom Künstlerinnenduo Jeschkelanger verleiten zum Hineinschauen, zum Durchblicken und sind meist auch durchsichtig, transluzent. 

Die Fliesen bestehen aus einer Kombination technischer und kreativer Technologien.

Das Material besteht aus Glasresten und einer feinen Betonrezeptur. Erhältlich ist Basis Rho als fertige Edition oder nach Kundenwunsch individualisiert, jede Fliese ist immer ein Unikat. Basis Rho wurde Anfang 2020 gelauncht und im Februar erstmals auf der Surface Design Show in London vorgestellt. Seit April sind die handgefertigten Stücke der jungen Berliner Manufaktur im Direktorenhaus Berlin zu sehen.

Kombination technischer und kreativer Technologien 

Die Fliesen bestehen aus einer Kombination technischer und kreativer Technologien: eine eigens entwickelte Betonrezeptur mit darin genau platzierten Glassteinen, deren Bearbeitung innovative Fertigungstechniken und individuelle Werkzeuge erfordert. Die Reste einer Glashütte, die mundgeblasene Flachgläser für international erfolgreiche Künstler (u.a. Gerhard Richter, Imi Knoebel, Olafur Eliasson) und Architekten herstellt, werden wie Pinselstriche in das Betonbett komponiert und verleihen der glatten Oberfläche eine faszinierende visuelle Präsenz. 

Das Künstlerinnenduo Jeschkelanger.

Die Oberfläche ist so fein gearbeitet, dass die Grenze zwischen Glas und Stein durch Berührung nicht zu erkennen ist. Die Anwendungsbereiche umfassen ​Bodengestaltungen, Wand- und Fassadenverkleidungen, Möbelstücke und Leuchtobjekte​. Das innovative Baumaterial kann zur Gestaltung von einzigartigen Räumen, als Wand- oder Bodenfliesen und für Möbel​ genutzt werden. 

Die Oberfläche ist so fein gearbeitet, dass die Grenze zwischen Glas und Stein durch Berührung nicht zu erkennen ist.

Im Innen- wie Außenbereich einsetzbar 

Durch die farbigen Glassteine im Beton entsteht ein lichtdurchlässiges und offenes, aber auch schützendes Raumgefühl. So vielfältig wie die optische Präsenz ist auch die Anwendung des Materials: raumtrennend, Räume verbindend, natürlich leuchtend, Orte/Zonen systematisierend, unterschiedliche Stimmungen erzeugend. Die Oberflächen sind mit einer ​Spezialmischung mit hervorragender wasser- und ölabweisender Wirkung imprägniert und damit für Innen- wie Außenbereiche einsetzbar. Angeschliffen und rutschfest eignen sie sich perfekt als Fußboden. Die Platten werden wie herkömmliche Betonwerksteine im Dickbettverfahren verlegt und können entsprechend zurechtgeschnitten werden. Die Installation als Wandverkleidung erfolgt entweder über das eigene Aufhängungssystem oder über die klassischen Verfahren zur Anbringung von Wandfliesen. 

Die Einbindung der Glasabfälle macht aus dem Produkt einen materiellen und immateriellen Kulturspeicher,

Glasabfälle als Kulturspeicher 

Die Einbindung der Glasabfälle macht aus dem Produkt einen materiellen und immateriellen Kulturspeicher, der über die Schönheit und das Schützenswerte von künstlerischen Schaffensprozessen erzählt. Sie agiert im „Circular Economy Verständnis“ uns ist somit im Trend der Zeit. Das Ausgangsmaterial, die Glasabfälle, deren Weiterverarbeitung und ein sorgsam erstellter Herstellungsprozess, ergeben ein zeitgenössisches Produkt im Sinne der Nachhaltigkeit​.

Text: Peter Reischer, Fotos: Jan Brockhaus